Der Irish Cob - auch bekannt unter dem Namen Tinker oder Gypsy Cob - hat seinen Ursprung in Irland. Als Pony der Kesselflicker - abschätzig Tinker genannt - musste es robust sein, kräftig genug um einen Wagen ziehen zu können, umgänglich im Wesen sein, familienfreundlich und genügsam. Um das Blut ihrer Pferde zu veredeln, wurden sie Stuten nachts heimlich zu den edlen Hengsten des Adels gestellt. Der Irish Cob wird als nervenstark, arbeitswillig und zuweilen auch stur bezeichnet. Hat man aber sein Vertrauen erst einmal gewonnen, so begleitet er uns als Freund fürs Leben, auf den immer und jederzeit Verlass ist.

 

 

 

 

 Pili'Aloha, Stute, Jg 1999

Als ich zum ersten Mal ein Bild von Pili'Aloha gesehen hatte, stand für mich sofort fest: dieses oder keines. Das Probereiten erwies sich als kleiner Albtraum, dieses Pony kannte zwar alle drei Gangarten, aber nur ein Tempo. Noch nie in all den Jahren hatte ich Muskelkater in den Armen, weil sich ein Pferd dermassen aufs Gebiss legte. Nun gut.... Für mich war sie die Erfüllung eines Traumes und nachdem mir meine Schwester und mein damaliger Reitlehrer ihre Hilfe zugesichert hatten, zog Pili'Aloha bei mir ein. Ich erinnere mich noch gut an jenen Tag, es war ein Donnerstag Abend im November 2003. Der halbe Pensionstall war auf dem Hof versammelt und wartete auf Pili'Aloha. Dann kam sie und ich werde diese mitfühlenden, ja schon fast mitleidigen Gesichter dieser Menschen nie vergessen. Zugegeben, Pili'Aloha erinnerte zu diesem Zeitpunkt durch die mangelnde Bewegung mehr an eine Kuh als an ein Pferd. Nur ich stand da, mit glänzenden Augen und nahm mein Pony freudig in Empfang. Sie alle sahen nicht, was ich gesehen hatte. Sie alle erkannten nicht das Potenzial in diesem Pferd und sie alle wurden ein paar Monate später eines Besseren belehrt....

Pili'Aloha entwickelte sich zu einem wahren Goldschatz, zu einem freundlichen, hübschen Pony. Sie lernte schnell und bald durfte sie auch von Kindern geritten werden. Ihr Nervenkostüm war zwar nicht gerade das, was man von einem Tinker erwartet und die Ausritte mit ihr konnten zuweilen sehr abenteuerlich werden. Nichts desto trotz, ich habe diesen Kauf nie bereut. Pili'Aloha weiss genau, was sie will, hat einen starken Charakter. Reiter ohne Plan lernen schnell, einen Plan zu entwickeln, ansonsten übernimmt Pili'Aloha das Steuer. Das macht es für die Reitschüler hin und wieder etwas schwierig. Doch genau so lernt man reiten, wenn man sich durchsetzen muss, wenn man lernen muss, richtig zu Agieren und zu Reagieren.  

 

 

 

 

 

Kailani, Wallach, Jg 2009

Kailani..... Himmel und Meer.... Sturm und Wellen trafen es eher.... Der kleine Racker war noch keine 2 Stunden alt, als er der Mutter zum ersten Mal davon trottete. Die Herde auf der anderen Seite des Zaunes interessierten ihn mehr als die sorgende Mama. Und so ist es bis heute geblieben. Ist irgendwo ein Zaun offen, geht Kailani schon mal vor. Ich weiss nicht, wie oft ich eine SMS bekam 'wir haben Dir Kailani wieder zu Pili'Aloha zurück gestellt'. Im Februar 2010 brachte ich Kailani in den 'Kindergarten' auf eine Hengstweide in Oltingen. Meine Info an den Weidbesitzer, dass er doch bitte den Strom einschalten soll, wurde mit einem 'was-weiss-denn-diese-Frau-schon' Gesicht abgetan. Nur um mir dann tags darauf mitzuteilen, dass man mein Fohlen im 'Dorf unten' wieder einfangen musste... Als Kailani geschlechtsreif wurde, büchste er im Wochentakt aus und ich bin überzeugt, irgendwo lebt ein Kailani-Kind... Kailani empfand sich als 'Master of the Universe' und mit dieser Haltung holte ich ihn 2013 nach Hause.

Da er nie gelernt hatte, sich unterzuordnen, war es zu Beginn der Ausbildung etwas speziell mit ihm. Nicht dass er böse oder hinterhältig war, nein, im Gegenteil. Er war immer freundlich und umgänglich. Wenn ihm jedoch etwas nicht passte, lieferte er ein filmreifes Rodeo ab. Ich stand dann meist in der Mitte und liess ihn gewähren. Es war seine Art der Kommunikation, für mich war es okay. Meine Mit-Pensionäre hatten schon fast Mitleid mit mir und kamen mit allen möglichen Ratschlägen, wie Kailani 'zu brechen' sei, bei mir an. Sie stiessen auf taube Ohren, ich wich keinen Millimeter von meinem Ausbildungsplan ab.  Je mehr wir zusammen arbeiteten, desto weniger 'Anfälle' hatte er.

Der Erfolg gibt mir Recht; heute ist Kailani ein neugieriges, arbeitswilliges Pony, das auch von den Reitschülern geritten werden kann und man kommt nicht drum herum, Kailani zu mögen.