Schon als kleines Mädchen träumte ich von einem schwarz-weiss gescheckten 'Indianerpony'. Meine Schwester und ich hatten das grosse Glück, dass wir bereits im Teenageralter Reitstunden nehmen durften und kein Weg war mir für diese Ausbildung zu weit. Damals war Westernreiten noch ziemlich unbekannt und so fing auch ich in einem renommierten Ausbildungsstall mit der englischen Reitweise an.

Jahrzehntelang ritt ich verschiedene fremde Pferde, meistens bekam ich die etwas 'anspruchsvolleren Exemplare'. Meine Schwester, die mittlerweilen ihren eigenen Quarter-Hengst Poco Zip Jay hatte, führte mich Jahre später auf den Westernweg. Auf der Wikinger Ranch in Rottenschwil lernte ich die Grundlagen des Westernreitens.

Im November 2003 zog dann auch das schwarz-weisse Indianerpony bei mir ein. Die Irish Cob Stute Pili'Aloha eroberte mein Herz im Sturm. Angeritten aber nicht ausgebildet stellte sie mich jedoch vor eine grosse Herausforderung. Zusammen mit meinem damaligen Reitlehrer gelang es mir, mit konsequenter Hand und viel Geduld aus dem tempo-orientierten Rennpony ein ruhiges, motiviertes Verlasspferd zu machen. Dieses Wissen, das ich mir in dieser Zeit aneignen konnte, half mir ein paar Jahre später bei meiner nächsten, noch etwas grösseren Herausforderung.

 

 

 

Im Frühling 2008 besuchte Pili'Aloha den Tinkerhengst Beno von der Tinkerfarm und am 16. April 2009 erblickte ein kleiner, schwarzer Tinkerhengst das Licht der Welt. Was da auf mich zukam, merkte ich schon wenige Stunden nach seiner Geburt.... Kailani hatte einen Dickschädel, der Seinesgleichen suchte. Er war stets ein freundliches und umgängliches Fohlen, hielt aber nichts von Regeln und  Grenzen. Pili'Alohas Nervenkostüm hatte unter Kailani ordentlich gelitten und auch ich biss mir oft die Zähne an dem kleinen Racker aus. Ich begann also schon früh, mit diesem selbstsicheren und manchmal ein bisschen abgehobenen Fohlen zu arbeiten. Durch Freilongieren im Roundpen, Boden- und Führungsarbeit wurde es zunehmends angenehmer zwischen uns, doch ich wusste, dass dieser Wissensstand, den ich zu diesem Zeitpunkt hatte, nicht ausreichen würde, um Kailani in der Ausbildung gerecht zu werden. 

    

 

 

 

 

 

 

In den drei Jahren, die Kailani auf der Hengstweide verbrachte, befasste ich mich ausführlich und intensiv mit der Ausbildung von Jungpferden. Ich las mich durch verschiedene Literatur und schlussendlich waren es die Bücher von Mark Rashid, GaWaNi Pony Boy und Bernd Hackl, die mich begeisterten. Dies schienen die richtigen Ausbildungsmethoden für Kailani und mich zu sein. Im März 2013 holte ich den mittlerweilen zum Wallach 'mutierten', jedoch immer noch vor Selbstbewusstsein strotzenden Kailani von der Hengstweide und unser Abenteuer begann.

Am Anfang unserer Ausbildung orientierte ich mich vor allem an GaWaNi Pony Boy und seinem indianischen Pferdetraining. Ruhe und Geduld waren mein Motto, Tag für Tag, denn mir war klar, dass nur ein Miteinander ein entspanntes Leben bedeutet, denn so einen starken Charakter gegen sich zu haben, wäre ein ewiger Kampf. So bekam Kailani alle Zeit der Welt um zu verstehen, dass sich eine Zusammenarbeit mit mir lohnt, mir zu folgen nicht Kontrollverlust bedeutet und wir zusammen viel Spass haben können. Nachdem nach Monaten der Bodenarbeit und ausgedehnten Spaziergängen die wichtigsten Regeln geklärt waren, wagte ich mich aufs Pferd und diesmal griff ich auf das Wissen von Bernd Hackl zurück. Durch das viele Bodentraining war das Vertrauen, das Kailani und ich zusammen aufbauen konnten, so gross, dass ich mich zu 100 % auf ihn verlassen konnte. Und so ist es bis heute, aus Kailani ist ein wunderbares, umgängliches und begeisterungsfähiges Pony geworden, das alle mögen.  Aus 'Mir-gehört-die-Welt' wurde 'Was-lernen-wir-heute-zusammen' und ich freue mich über jede Stunde, die ich mit meine beiden Pferden verbringen kann. Auch wenn ich keine Zertifikate oder Teilnahmebescheinigungen von Kursen oder Seminaren an die Wand hängen kann, so habe dort gelernt, wo man es wirklich lernt: bei den Pferden.